Elefantenpfade am Okavango

Auf Safari in Botswana und Namibia

Reisebericht von Dr. Peter Hünseler

 

Anmerkung: Fotos zum Vergrößern bitte anklicken.

 

Das Reiseprogramm

Im Oktober 2008 fliegen wir nach Windhoek, um an einem neuen Reiseprogramm von Leguan Reisen teilzunehmen: einer Zeltsafari durch Botswana und Namibia. Leguan Reisen ist dem Wunsch von Stammkunden nachgekommen und hat Naturreisen in Afrika ins Programm aufgenommen. Programme, die von unserer neuen namibischen Partneragentur seit Jahren erfolgreich durchgeführt werden und deren Beschreibung uns richtig Lust aufs Mitreisen gemacht hatte. Zusammen mit sechs Mitreisenden werden meine Lebenspartnerin und ich ins Okavango Delta reisen – geführt von Jimmy Zimmer, dem Senior Chef der Agentur. Wir werden Afrika auf klassische Art bereisen, in Zelten an einsamen Lagerstätten mitten im Busch übernachten und 15 Tage lang die faszinierende Natur Afrikas hautnah erleben.

 

Die Fahrt zum Caprivi Streifen

Nach einer erholsamen Nacht in einer gemütlichen Pension in Windhoek hat unser erster Reisetag früh begonnen. Seit Stunden schon rollen wir mit gleichmäßiger Geschwindigkeit auf schnurgerader Straße Richtung Norden. Fast zwei Tage werden wir für unsere Reise von Windhoek zum Caprivi Streifen hoch im Nordosten Namibias benötigen. Genug Zeit, um anzukommen in einem neuen und uns fremden Land.

Der Blick auf die vorbeiziehende Landschaft gibt dem Denken Ruhe. Unendlich weite Ebenen erstecken sich beidseitig der gut ausgebauten Asphaltstraße, nur ab und an unterbrochen von kleineren Höhenzügen. Halbhohe Büsche und kleine Bäume bilden eine gleichförmige und in diesen trockenen Monaten fast laublose Vegetation. So einsam und leer habe ich mir Namibia nicht vorgestellt. In regelmäßigen Abständen zweigen zwar Zufahrten zu Farmen von der Straße ab und manchmal sieht man auch die Dächer der Farmhäuser in einiger Entfernung über den Buschwald herausragen, aber diese Zeichen einer Besiedlung schmälern nicht den Eindruck der großen Einsamkeit und Leere.

Morgen wird sich das Bild ändern, versichert uns Jimmy, unser Guide und Expeditionsleiter. Bei der Fahrt durch den Caprivi Streifen werden uns dichtere Vegetation und höhere und belaubte Bäume umgeben, wir werden dort die lebensspendende Macht des Wassers erleben. Ganzjährig wasserführende Flüsse sind Grundlage für einen hohen Wildbestand. Dort oben und im benachbarten Botswana gibt es die großen Tiere Afrikas noch in großer Zahl. Sie zu sehen, sind die acht Teilnehmer dieser Safari nach Afrika gereist. Für mich erfüllt sich ein Kindheitstraum.        

 

Popa Falls: Büffel und Elefanten am Okavango Fluß

Am Nachmittag des zweiten Tages erreichen wir den Okavango Fluß. Breit und mächtig strömt er Richtung Südosten, der Wüste entgegen. Dort wird er schließlich versickern, im größten Binnendelta der Erde.  

Hier bei Popa Falls ist davon noch nichts zu ahnen. Längs der Ufer ziehen sich weite Grasflächen mit dichtem Bewuchs. Am Abend sind Grasland und Wasser das Ziel der großen Weidegänger, die nun den Buschwald verlassen und auf die Freiflächen ziehen.

Nur kurz haben wir unseren Rastplatz angefahren und den Anhänger abgestellt. Unser Koch und Assistenzguide Filemon wird an diesem Abend den Aufbau der Zelte allein übernehmen. Wir wollen das Nachmittagslicht nutzen und einen ersten Gamedrive unternehmen. Bisher haben wir unser etwas unförmiges Gefährt, einen Unimog, nur als „Reisebus“ erlebt. Nun mutiert das allradgetriebene Fahrzeug zum perfekten Safari Gefährt. Die Abdeckungen der Dachluken werden ausgebaut – dadurch bietet sich freie Sicht von erhöhtem Standpunkt. Und als wir die Asphaltstraße verlassen und auf die sandigen Pisten des Schutzgebietes Buffalo Ridge einbiegen, entfaltet der Unimog seine wahren Qualitäten. Wie so oft in den kommenden Tagen wühlt er sich durch ausgefahrene und versandete Pistenabschnitte, gräbt sich durch Schlammlöcher und sumpfige Wassergräben. Ein wirklich ideales Gefährt für eine Safari abseits der etablierten Routen.

Das Glück ist uns hold. Schon an diesem Abend begegnen wir großen Wildtieren. Im goldenen Licht der tiefstehenden Abendsonne ziehen Hunderte von Büffeln über die Grasflächen dem Wasser entgegen. Eine feine Staubwolke schwebt über der Herde und verstärkt den märchenhaften Eindruck. Wir sind in Afrika angekommen – und erleben zum ersten Mal eines der einmaligen Naturschauspiele, die diesen Kontinent auszeichnen. 

Leider bleibt uns nicht viel Zeit; die Sonne sinkt schnell und wir müssen zurück zum Lager. Aber eine weitere, dramatische Tierbegegnung hält dieser Abend noch für uns bereit. Schon aus der Ferne sehen wir unsere erste Elefantenherde durch das Grasland zum Wasser ziehen. Langsam fahren wir näher heran. Unvermittelt ändert die Herde ihre Richtung und die Leitkuh, gefolgt von weiteren Tieren, stürmt mit hoher Geschwindigkeit und weit abgespreizten Ohren auf uns zu. Haben eben noch alle Reiseteilnehmer in den Dachluken stehend Ausschau gehalten, sitzen nun alle angespannt im Inneren des Unimogs, froh über die beruhigende Größe unseres Safarifahrzeuges. Stampfend und mit flatternden Ohren steht die Leitkuh in beängstigender Nähe vor uns - und beruhigt sich nur langsam. Keine Ahnung, was diese plötzliche und völlig unprovozierte Attacke ausgelöst hat. In diesen Minuten sind wir jedenfalls alle froh, nicht in einem PKW oder kleinen Safaribus zu sitzen. Endlich zieht die Herde weiter. Wir haben erfahren, daß wir uns jetzt in der Wildnis befinden.      

 

Das Lager am Kwando

Am Kwando, einem weiteren aus dem Hochland von Angola durch den Caprivi Streifen nach Botswana strömenden Fluß, schlagen wir unser erstes mehrtägiges Lager auf.

Ein wunderschöner Platz, unter großen schattigen Bäumen und direkt am kaum merklich strömenden Wasser des Flusses. Mathilde und ich stellen unser Zelt mit der Öffnung gen Osten auf – jeden Morgen werden wir so vom wärmenden roten Licht der aufgehenden Sonne geweckt. Ich glaube, dies ist der Platz, an dem bei meiner Lebenspartnerin die Begeisterung für unsere Zeltsafari erst wirklich erwacht. Zugegeben, auch ich hatte Bedenken hinsichtlich des Zeltens: aus Bequemlichkeit und auch weil es schwer vorstellbar war, umgeben von großen Wildtieren mitten in der Wildnis im dünnwandigen Zelt zu übernachten. In den Tagen am Kwando verlieren wir diese Zweifel vollkommen; stattdessen Begeisterung, über die mit dieser Reiseform verbundenen intensiven und unmittelbaren Natureindrücke.

Neben den wärmenden Strahlen der Morgensonne sind es die Geräusche der Wildnis, die uns faszinieren. Wie die seltsamen Laute der Glockenfrösche, das Schnaufen eines Flusspferdes im nahen Wasser oder, später dann, am Chobe, das entfernte Brüllen eines Löwen: Afrika pur.

Auch andere Vorzüge gewinnen wir bald unseren Nachtlagern im Zelt ab. Obwohl es tagsüber um diese Jahreszeit wirklich heiß ist, kühlt sich gegen Abend die Luft auf angenehme Werte ab. Im Inneren des Zeltes stellt sich diese wohlige Schlaftemperatur schnell ein - und ermöglicht einen erholsamen Schlaf. Wirklich zu schätzen lernen wir die frische Luft im Zelt erst nach ein paar Übernachtungen in komfortablen Lodges: bis in die frühen Morgenstunden bleibt es in den Zimmern heiß und stickig, da die Steinwände die Tageshitze noch lange abstrahlen.

Schon nach wenigen Reisetagen haben sich alle auf den Rhytmus einer Zeltsafari eingestellt: nach Erreichen eines neuen Lagerplatzes werden zügig die kuppelförmigen Igluzelte aufgestellt und die Betten gemacht. Einige unserer Lagerplätze sind gänzlich ohne Infrastruktur – dort installieren Jimmy und Filemon die mitgeführten Dusch- und Toilettenvorrichtungen und spannen Planen als Sichtschutz. Anschließend richtet Filemon die Feuerstelle ein, das Zentrum des Lagers. Hier bereitet er auf offener Flamme unsere Mahlzeiten. Nur selten habe ich im Urlaub so abwechslungsreiches und vorzügliches Essen genossen – insbesondere die Wildgerichte sind ein Genuß. Sicher, der Tag an der frischen Luft trägt das seinige bei. Aber was Tag für Tag auf dem großen Safaritisch aufgetragen wird, ist schon klasse. Besonders lecker - und sehenswert in der Zubereitung: Filemon´s Vollkornbrot, in einem großen gußeisernen Bräter in der heißen Asche des Lagerfeuers gebacken.

Stimmungsvoller Höhepunkt und Abschluß unserer Tage im Busch ist das abendliche Lagerfeuer. Hier lassen wir bei einem kühlen Bier oder einem Glas Wein die Erlebnisse des Tages Revue passieren und lauschen den Geräuschen der Nacht. Das alles unter dem unendlich weiten, funkelnden Sternenhimmel Afrikas.

Am Kwando unternehmen wir die ersten ausführlichen Pirschfahrten: wir beobachten Flußpferde, Elefanten und zahlreiche Antilopen. Höhepunkt und kaum angemessen zu beschreiben ist am zweiten Abend der Riss einer Impala Antilope durch einen Leoparden am Flußufer. Direkt vor unseren Augen und auf freier Fläche vom Dach des Unimogs gut zu beobachten: Das Heranschleichen der Katze an die trinkenden Impalas, der Sprint, das Niederreißen der Antilope, der Biss in den Hals, bis das Opfer leblos liegt und schließlich das mühevolle Wegschleifen der Beute in den Wald.

 

Löwen und Elefanten am Chobe

Unser nächstes Lager liegt schon in Botswana, tief im Inneren des Chobe Nationalparks. Weit von der Durchgangsstraße und nach vielen Kilometern auf ausgefahrenen sandigen Pisten nähern wir uns einer Baumgruppe. Unser schattiger Lagerplatz, am Rand der baumlosen Grasebene, die sich durch die Überschwemmungen des Chobe Flusses gebildet hat.

Etwa 100 Meter von unserer Baumgruppe entfernt überragt ein abgestorbener Baum halbhohes Buschwerk, heute ist er dicht bevölkert von zahlreichen Geiern. „Shit“ entfährt es Jimmy. „Wenn da ein verendeter Elefant liegt, wird es im Lager ganz schön riechen“. Langsam steuert er den Unimog auf den „Geierbaum“ zu. Zwischen halbhohen Büschen liegt tatsächlich ein Kadaver. Reste eines Büffels, schon ziemlich abgefressen. Und daneben der Grund, warum die Geier sich nicht an das Fleisch herantrauen: eine im Schatten eines Busches ruhende Löwin. Jimmy hält an und wir betrachten aufgeregt unsere erste Löwin. Die plötzlich unruhig wird, aufspringt. Nicht wegen uns, ein frecher Schakal hat sich dem Kadaver genähert und möchte einen Anteil stibitzen. Keine Chance, die Löwin spurtet vor – und der Schakel sucht das Weite. Noch ist der Kadaver nicht freigegeben, er wird weiter von der Löwin gesichert.

Nach diesen spannenden Beobachtungen fahren wir die letzten Meter zur nahe gelegenen Lagerstelle. Wir sind froh, daß der Aasgeruch nicht bis hierhin dringt. Ein wenig mulmig ist uns, die Löwin in nicht allzu weiter Entfernung zu wissen. Zudem ist die große Katze nicht allein, wie sich am Abend zeigt, als zwei junge Mähnenlöwen sich zu ihr gesellen. Immer wieder hören wir in der kommenden Nacht das langzogene Gebrüll der Löwen, das Jimmy so treffend immitiert: „Whoooose land is this .....mine......mine....mine....“.

Der Chobe Fluss ist während der Trockenzeit die einzige verbleibende Wasserquelle im Norden des gleichnamigen riesigen Nationalparks. Von weit her ziehen Tag für Tag  Elefanten zum Fluß, um hier ihren Durst zu stillen. Wir erleben dieses packende Schauspiel am nächsten Tag vom Boot aus. In großer Eile legen die Herden die letzten Meter zum Wasser zurück, von einer Wolke aufgewirbelten Staubes umlagert. Herde folgt auf Herde an den Wasserstellen, ein ständiges Kommen und Gehen. Uns wird eindrucksvoll vor Augen geführt, daß das Chobe Gebiet eine der elefantenreichsten Regionen Afrikas ist.

Aber nicht nur Elefanten erleben wir bei unserer Bootsfahrt aus nächster Nähe: Büffel und Antilopen bevölkern die Grasflächen, auch zahlreiche Zebras. Im Wasser, teilweise auch an Land weidend, finden sich Flußpferde und große Nilkrokodile sonnen sich auf den Uferbänken.    

 

Der Weg nach Moremi

Für unsere Fahrt vom Chobe ins Okavango Delta sind zwei Tage eingeplant, auf einer Route, die uns tief durch das Innere des Chobe Nationalparks führt. Der Piste ist anzusehen, daß hier seit Wochen kein Fahrzeug durchgekommen ist; sie ist versandet, fast zugewachsen. Der Unimog zeigt einmal mehr, was in ihm steckt. An diesen Tagen erleben wir die große Trockenheit: gleißend strahlt die Sonne vom tiefblauen Himmel. Der Busch ist ausgedörrt, über Stunden ist kein Wild zu sehen. Wir erleben eine andere Seite der Wildnis: kein Wasser auf Hunderten von Quadratkilometern Buschland, die Tiere weggezogen zum Chobe oder ins Delta, eine scheinbar leblose Landschaft. Nur zwei große Trappen lassen sich sehen, eindrucksvolle Vögel, die nur schwerfällig und selten fliegen und das Laufen vorziehen.

Von Jimmy angekündigt, erreichen wir am Nachmittag des ersten Tages eines der wenigen permanenten Wasserlöcher im Inneren des Chobe Parks und treffen hier das vielleicht einsamste Flußpferd der Welt. Alleine bevölkert es einen etwas mehr als schwimmbadgroßen Weiher. Mehrere Jahre schon fristet es hier sein einsames Dasein. Da die nächste größere und permanente Wasserstelle mehr als 25 Kilometer entfernt ist, bleibt es ein Rätsel, wie das Tier hier hin gelangt ist.    

An diesem Tag verleiht eine goldene Abendsonne unserem Lager eine besonders stimmungsvolle Atmosphäre. Wir geniessen die letzten Sonnenstrahlen, bevor die afrikanische Nacht hereinbricht. Erstmals schallen heute die unheimlichen Rufe der Hyänen zu uns ans Lagerfeuer.

 

Im Delta: das Lager am Hippo Pool

Im südwestlichen Teil des Chobe Parkes durchqueren wir die staubtrockene Mababe Ebene und verlassen dann den Nationalpark. Nur wenige Kilometer weiter ändert sich schlagartig die Vegetation und wir sind plötzlich wieder von Wildtieren umgeben. Wir haben das Delta erreicht und stoßen auf den Fluß Kwai, der hier den östlichen Rand des Feuchtgebietes bildet. Eindrucksvoll die Artenvielfalt vor allem der Huftiere: Wir passieren Gnu- und Zebraherden, beobachten Impala- und Kudu- Antilopen und die an Feuchtigkeit gut angepassten Litschi- Antilopen; sehen Giraffen und Strauße. Im Fluß ruhen Gruppen von Flußpferden; Elefanten ziehen zum Wasser. Plötzlich eine Attraktion, direkt neben unserem Gefährt: Wildhunde, im Schatten eines Baumes ruhend und von unserem plötzlichen Erscheinen überhaupt nicht beunruhigt. Unruhig ist dagegen ein Rudel Wasserböcke, das nicht weit entfernt sichernd verharrt und die Raubtiere keine Sekunde aus den Augen läßt. Keine Panik, aber aufmerksames Beobachten der Jäger durch die potentiellen Opfer. Wir haben unheimliches Glück, die seltenen Wildhunde aus solcher Nähe beobachten zu können. 

Am späten Nachmittag erreichen wir das Moremi Schutzgebiet. Auf dem Weg zu unserem Lagerplatz sammeln wir noch schnell einen großen Vorrat an Brennholz, für das abendliche Koch- und Lagerfeuer. In Moremi wurde uns ein Zeltplatz direkt am Hippopool zugewiesen. Der Platz trägt seinen Namen wirklich zu recht - typisches Geräusch der kommenden Nächte wird das Schmatzen grasender Hippos sein.

Die Tage in Moremi vergehen wie im Fluge. Jeden Morgen brechen wir früh zu Beobachtungstouren auf, nach einer heißen Tasse Kaffee und einigen Keksen. Am späten Vormittag kehren wir hungrig ins Lager zurück, wo uns ein reichhaltiges Brunch erwartet. Halten dann einige Stunden Siesta, bevor es am Nachmittag erneut auf Pirschfahrt geht.

Unglaublich auch hier der Wildreichtum, jeder Tag bietet aufs Neue faszinierende Tierbeobachtungen. Besonders eingeprägt haben sich die Bilder einer Löwin mit zwei Jungen, die wir mehrfach antreffen und die sich beim Säugen und Spielen nicht stören lassen.   

Für den letzten Gamedrive in Moremi hat Jimmy einen riesigen Baobab Baum als Ziel vorgesehen. Hier wollen wir mit einem Glas Sekt unsere Reiserlebnisse feiern. Enttäuschung beim Erreichen des Ziels: der Baumriese ist umgestürzt. Wahrscheinlich vom Sturm gefällt, wurde der gewaltige Baum anschließend von Elefanten auf der Suche nach Nahrung und Feuchtigkeit zerfleddert. Der gestürzte Baumriese bietet immer noch einen imposanten Anblick, auf dem Stamm stehend wirkt Jimmy fast winzig.       

Wir finden eine schöne Alternative als Platz für unseren kleinen Umtrunk, am Ende der Piste, die sich hier in den Sümpfen des Deltas verliert. Unabsehbar weit erstreckt sich vor uns ein Gewirr aus Wasserflächen, Schilf und kleinen baumbestandenen Inseln. Wir sitzen auf dem Dach des Unimogs und geniessen die Abendstimmung und die wunderschöne Aussicht. 

 

Wasser in der Wüste: der Flug über das Okavango Delta

Während der Tage am Hippo Pool haben wir schon einen intensiven Eindruck von der faszinierenden Naturlandschaft des Okavango Deltas bekommen – aber die Ausmaße und die Einzigartigkeit dieser Landschaft erschließen sich besonders gut aus der Luft. Sehr gespannt sind wir daher auf den geplanten Rundflug über das Delta.

Mittlerweile sind wir in Maun angekommen; von hier starten wir zeitig am Morgen zu unserem Flug. Maxmimal fünf Passagiere finden in der kleinen Maschine Platz. Fliegen rustikal und ganz intensiv. Aber kaum abgehoben, tritt das Fliegen völlig in den Hintergrund. Viel zu beeindruckend sind die Bilder der unter uns liegenden Landschaft.

Wasser in der Wüste, Flußläufe, die im Sand der Kalahari versiegen. Ein Labyrinth aus Buschland, Gras- und Schilfflächen, schmalen Wasserläufen und kleinen Seen.

Eine Komposition aus drei Farbtönen: tiefgrün die Vegetation am Wasser, sandfarben der trockene Buschwald und blau die kleinen und größeren Wasserflächen.

Unser Pilot nimmt Kurs auf das Zentrum des Deltas, auf der Suche nach Herden der großen Pflanzenfresser. Unsere Augen gewöhnen sich allmählich an den Anblick der amphibischen Landschaft, erkennen Details wie Wechsel von Wildtieren, die überall die dichte Ufervegetation durchziehen. Und dann sehen wir die Herden: Büffel, sicherlich Hunderte von Tieren, und Elefanten. Nun, wo sich die Augen an Perspektive und Größenverhältnisse gewöhnt haben, lassen sich immer mehr Wildtiere ausmachen.

Schnell, viel zu schnell vergeht die Flugstunde über dem Delta und schon bald müssen wir abdrehen und nehmen wieder Kurs auf Maun, wo wir wenig später sicher landen. 

So eindrucksvoll die Beobachtung der Tierherden aus der Luft auch war, für mich hinterläßt  die amphibische Landschaft den tiefsten Eindruck: eine Welt in der Wasser und Wüste zu einem einzigartigen Mosaik verschmelzen. 

 

In das große Durstland

Kaum liegt die Ortschaft Maun hinter uns, beginnt die Kalahari. Wir reisen Richtung Südwesten, unsere Route wird uns über Ghanzi zurück nach Namibia führen. Von Kilometer zu Kilometer wird die Landschaft trockener. Wir haben jetzt endgültig den Naturraum Wüste erreicht - die große Sandfläche im Inneren des südlichen Afrikas. Dabei bedient die Kalahari nicht unbedingt das typische Klischeebild einer Wüste: kaum leblose Sandflächen, fast überall findet sich Vegetation. Halbhohe Büsche und kleine Bäume, manchmal sogar gewaltige Baobabs und dazwischen grasbedeckte Flächen. Trotzdem, dies ist das große Durstland. Ohne permanente Wasserquellen, wird das Zentrum der Kalahari in der Trockenzeit von den Tierherden verlassen und erwacht erst wieder zum Leben, wenn die Regen über das Land gezogen sind.

Bis zum nächsten Regen scheint es an diesen Oktobertagen wohl noch lange hin zu sein – nur wenige weiße Schäfchenwolken ziehen langsam über einen tiefblauen Himmel. Darunter eine unendlich weite Landschaft: Von jeder kleinen Anhöhe schweift unser Blick über scheinbar grenzenlose und unberührte Weite bis hin zum fernen Horizont.   

 

Verlorene Welt der Kalahari: eine Begegnung mit Buschleuten

Unser letztes Lager in Botswana schlagen wir auf einer großen Farm in der Umgebung von Ghanzi auf. Hier haben wir eine Verabredung mit Buschleuten, die wir auf eine frühmorgendliche Wanderung ins „Veld“ begleiten wollen, um dabei Eindrücke von der ursprünglichen Lebensweise dieses Volkes zu bekommen.

Selbstbewußt und offen treten uns die Buschleute entgegen. Eine junge Frau als Wortführerin stellt uns zunächst alle Gruppenmitglieder vor: insgesamt 10 Personen unterschiedlichen Alters. Darunter befindet sich auch ein kleines Mädchen, fast noch ein Baby, das abwechselnd nicht nur von Mutter und Vater getragen wird: die ganze Gruppe kümmert sich aufmerksam und liebevoll um die Kleine. Die Rede der jungen Frau klingt wegen der Buschmann typischen Klicklaute für unsere Ohren sehr fremd; sie wird uns von dem Manager der Farm übersetzt.

Auf der anschließenden Wanderung bekommen wir einen kleinen Eindruck von den Fertigkeiten und Kenntnissen, die den Buschleuten lange Zeit ein Überleben in der Kalahari ermöglicht haben. Immer wieder halten unsere Führer an, um Pflanzen zu pflücken oder auszugraben, und erläutern uns, welchen Nutzen dem jeweiligen Gewächs zukommt. Beeindruckend die Vielzahl der nutzbaren Pflanzen und wie diese anhand kleinster Hinweise von den Buschleuten entdeckt werden. Mich faszinieren besonders die hartstacheligen Früchte der Teufelskralle. Die wurden von den Buschleuten als Schutz vor Raubtieren genutzt, indem sie die Früchte um das nächtliche Lager auslegten.

Vielleicht noch wichtiger für das Überleben war eine voluminöse, tief im Boden wachsende Knolle, übererdig erkennbar nur an wenigen, unscheinbar kleinen Blättern. Der Wasserspeicher der Buschleute. Sie demonstrieren uns, wie das wässrige Knolleninnere zunächst geraspelt wird, um dann die Feuchtigkeit des Pflanzengewebes mit der Hand auszudrücken. Sie nutzen die gewonnene Flüssigkeit, um den Durst zu stillen, aber auch um das kleine Kind zu waschen und auf dessen Haut gleichzeitig einen im Pflanzensaft enthaltenen Sonnenschutz aufzutragen.

Inzwischen ist die Sonne höher gestiegen, es wird heiß. Wir kehren zu unserem Lager zurück und verabschieden uns hier von unseren Führern. Vor uns liegt die Fahrt durch die Kalahari und zurück nach Windhoek, wo am kommenden Abend unsere spannende Safari enden wird. Nicht nur Mathilde ist traurig über das nahende Ende der Reise – und schmiedet schon neue Reisepläne: eine Safari zu Wüstennashörnern und Wüstenelefanten ins Kaokofeld. Jimmy´s spannende Schilderungen und die fantastischen Erlebnisse dieser Safari sind nicht ohne Folgen geblieben. 

 

Für Anregungen und Kritik herzlichen Dank an Mathilde Selting.